Eine kurze Geschichte von Ljugarns Semesterby & Camping

Der Fremdenverkehr und das Besuchergewerbe

Der Fremdenverkehr und das Besuchergewerbe sind heute der wichtigste Wirtschaftszweig Gotlands, während Landwirtschaft und Fischerei an Bedeutung verloren haben. Hier an der Ostküste hat der Tourismus eine lange Tradition. Ljugarn ist neben Visby der älteste Fremdenverkehrsort der Insel. Die ersten „Touristen kamen bereits 1887 hierher.

Das Feriendorf Ljugarn wurde 1955 gebaut und war das erste seiner Art auf Gotland. Die Initiativnehmer waren der Kommunalkassier Helmer Karlqvist und der Lehrer Birger Pettersson aus Lye sowie der Vorsitzende des Fremdenverkehrsamts Willy Gustavsson aus Ljugarn. Zu dieser Zeit waren Feriendörfer in Schweden noch etwas Neues und man machte Studienbesuche auf dem Festland, bevor man mit dem Bau des Feriendorfes begann.

Anna Gustavsson aus Ljugarn, die von Beginn an im Feriendorf arbeitete und dieser Tätigkeit 27 Sommer lang treu blieb, kann einiges aus jener Zeit erzählen. Sie erinnert sich, dass man sich als Standort für das Feriendorf für eine langgestreckte, strandnahe Waldpartie etwas nördlich der Ortschaft und südlich des Fischerdorfes Vitvär entschied.

Vitvär Feriendorf

Zunächst hieß die neue Anlage auch Feriendorf Vitvär, bevor man den Namen 2004 in „Ljugarns Semesterby“ änderte. Mit dem Badestrand in unmittelbarer Nähe und Post, Lebensmittelgeschäft, Konditorei und mehreren Restaurants in bequemem Gehabstand hat das Feriendorf eine optimale Lage.

Parallel zur entlang dem Strand verlaufenen Straße legte man einen Gehweg an und baute zu beiden Seiten 22 Ferienhäuschen.12 etwas größere mit 32 Quadratmetern und 10 kleinere mit 24 Quadratmetern. Sie alle hatten dieselbe Raumeinteilung: Wohnzimmer mit offenem Kamin, zwei Schlafalkoven sowie eine Kochnische und eine kleine Halle. Die Häuser wurden von Ingenieur Henning Bergström, Visby, gezeichnet. Die kleineren Häuschen wurden vor Ort von Josef Björkman, Lye, gebaut, die größeren von Knut Sedersten, Burgsvik. Letztere wurden erst nach dem Bau nach Ljugarn transportiert.

Als die Ferienhäuschen standen, wurden sie durchnummeriert. Aus unbekanntem Grund begann man mit den Nummern 600, 601 usw. Für die äußere Farbgebung zog man den denkbar besten lokalen Experten zu Rate, den auf Gotland wohnenden Künstler David Ahlqvist aus Ardre. Einige Häuschen wurden gelb gestrichen, andere rot. An dieser Farbwahl hält man bis heute fest.

Das Innere der Kabinen

Anfangs war die Einrichtung sehr spartanisch. Es gab keinen Stromanschluss und für jedes Häuschen stand llediglich eine Petroleumlampe zur Verfügung. In der Küche stand ein kleiner, ziemlich brandgefährlicher Gasherd, und als Kühlschrank diente ein im Erdreich versenkter Zementring mit Blechdeckel direkt vor dem Häuschen. Das Wasser holte man bei der einzigen Wasserpumpe, die für die Wasserversorgung des gesamten Feriendorfs herhalten musste.

Am südlichen Ende des Geländes baute man 1989 ein neues Servicehaus mit zum Teil behindertengerechten Toiletten und Duschen sowie einem Waschraum. Hier steht auch eine Waschmaschine für die Gäste des Feriendorfes, und die neue Rezeption und das Büro wurden ebenfalls hier eingerichtet. Bei der Rezeption kann man frühmorgens frische Brötchen und anderes Gebäck sowie Eis und andere Köstlichkeiten kaufen. Neben dem ziegelroten Rezeptionsgebäude liegt der Caravanplatz mit 37 Stellplätzen – alle mit Stromanschluss. Der sehr gemütliche Campingplatz ist bei Wohnwagen-Touristen sehr beliebt.

Innenausstattung Standard

Mit den Jahren erhöhte man den Einrichtungsstandard der Ferienhäuschen und 1970 wurde die Petroleumlampe durch elektrisches Licht ersetzt. Alle Häuschen bekamen einen Kühlschrank und die ausgedienten Zementringe wurden entfernt. Man investierte auch in neue, leicht zu waschende Bettdecken und verlegte ansprechende Kunststoffböden. Einige alte Stammgäste vermissten anfangs die breiten Spalten zwischen den Fußbodendielen, durch die man vorher so bequem den Sand vom Strand hatte fegen können…

Jetzt erhielt das Feriendorf auch mehrere Wasserposten. Laternenpfähle wurden auf dem Gelände aufgestellt und man legte einen asphaltierten Weg vom Feriendorf zum Strand hinunter an, auf dem Rollstuhlfahrer problemlos ans Wasser gelangen können. Neben dem Weg liegt auch ein Grillplatz.

Ständig werden Wartungsarbeiten durchgeführt und die Pächter, die sich in den letzten 20 Jahren um das Feriendorf kümmerten (Bjarne Abrahamsson und zuletzt Gunnar Wintland) haben alles gestrichen und repariert und in erstklassigem Zustand gehalten. Die alten Bretterdächer (einst von D. Ahlqvist empfohlen) wurden inzwischen durch wasserbeständige Blechdächer ersetzt.

Ljugarns Semesterby & camping

Ljugarns Semesterby & Camping ist seit den ersten Anfängen immer gut belegt gewesen. Viele Familien verbringen seit Jahren ihren Urlaub hier. Eine Familie kam von 1955 bis 2001 jeden Sommer –ein bis heute ungeschlagener Rekord!

Bei voller Belegung wohnen ca. 100 Personen in den Ferienhäuschen und fast genauso viele in den Wohnwagen. In einem schönen Sommer können auf dem schön am Strand gelegenen Zeltplatz über 100 Zelte stehen. Die Reservierungen beginnen früh, und schon im Februar kann es schwierig sein, noch einen Platz für den Sommer zu bekommen. Das Feriendorf ist von Mai bis 15. September geöffnet, obwohl die Hauptsaison schon am 15. August endet. Leider haben viele Leute noch nicht entdeckt, wie phantastisch Gotland auch im August und September ist.

Modernisierung der Kabinen

Seit die Kommune Gotland das Feriendorf (also die Ferienhäuschen) veräußert und der frühere Grundbesitzer das Gelände verkauft hat, beginnt nun eine neue Ära für das Feriendorf. Der neue Besitzer möchte jedes Häuschen mit eigener Dusche und Toilette modernisieren und vor jeder Wohneinheit ein Sonnendeck bauen. Im Zuge dieser umfassenden Arbeiten werden Wasser-, Abwasser und Stromleitungen der Häuschen unterirdisch verlegt und die Gäste brauchen das Wasser nicht mehr an den Wasserposten zu holen. Es besteht auch ein Plan, den Campingplatz um ca. 20 Wohnwagen-Stellplätze auszubauen und ein neues Servicegebäude für diese zu errichten.

Die phantastische und einzigartige Lage garantiert den Fortbestand des Feriendorfes und der neue Eigentümer heißt alle alten und neuen Gäste herzlich willkommen. Das Feriendorf Ljugarn ist die perfekte Urlaubsadresse für alle, die Gotland lieben, sich im Urlaub selbst versorgen wollen und Ruhe und Entspannung suchen, gleichzeitig aber nicht auf Restaurants in Gehabstand verzichten wollen. In Ljugarn können Sie das Auto ruhig stehen lassen!